24.09.2010
Neues Ehrenmitglied im VAR: Prof. Dr. Karl Borchardt, München Foto: JoE
Prof. Dr. Karl Borchardt, München
"Die Rothenburger Reichsministerialen der Stauferzeit"
20.00 Uhr | Gasthaus Glocke | Plönlein | 91541 Rothenburg ob der Tauber | Eintritt frei.
Dieser Vortrag musste leider wegen eines Unfalls des Referenten ausfallen. Er wird sicher nachgeholt. Bitte beachten Sie zu gegebener Zeit die Hinweise hier auf unserer Homepage und im Fränkischen Anzeiger.
Prof. Dr. Borchardt schreibt uns zu seinem Vortrag
Vögte und Reichsküchenmeister
Professor Dr. Borchardt referiert über Rothenburger Ministeriale der Stauferzeit
Nachdem der erste Wintervortrag des Vereins Alt-Rothenburg zum Stauferjahr 2010 die Rothenburger Stauferburg und ihre Zerstörung ins Blickfeld rückte, stehen beim Vortrag des früheren Stadtarchivars Professor Dr. Karl Borchardt, jetzt als Wissenschaftler am Deutschen Archiv der Monumenta Germaniae Historica in München, am Freitag, den 22. Januar 2010 um 20.00 Uhr in der Glocke Truchsesse und Reichsküchenmeister der Stauferzeit im Mittelpunkt: Auch bei den Ministerialen besteht Anlaß, wissenschaftliche Fakten von den gängigen Legenden und Spekulationen zu trennen, wofür der Mittelalterexperte Prof. Dr. Karl Borchardt Gewähr bietet. Die Truchsesse von Rothenburg wurden ca. 1140 durch König Konrad III. nach Rothenburg gebracht. Sie vertraten die Staufer auch unter Konrads Sohn Friedrich von Rothenburg über seinen Tod 1167 hinaus. Ob –wie vermutet - Walther von der Vogelweide zur Familie der Truchsesse von Rothenburg gehört, ist eher fraglich.
Die Reichsküchenmeister von Rothenburg stammen aus Würzburg. Sie kamen unter Kaiser Heinrich IV (1190-1197) und dessen Bruder und Nachfolger Philipp von Schwaben (1198 – 1208) nach Rothenburg. Ihre Tätigkeit sollte die staufische Territiorialpolitik in Franken enger mit dem Bistum Würzburg verzahnen. Das Hofamt des Reichsküchenmeisters war eine Neuerung, inspiriert vermutlich durch das Amt des Küchenmeisters des Domkapitels in Würzburg. Diese Familie wurde spätestens beim gescheiterten Aufstand König Heinrichs IV. (1234- 35) gegen seinen Vater, Kaiser Friedrich II. gestürzt. Ihre Machtposition in und um Rothenburg ging an eine dritte Familie. Sie nannte sich nach ihrem Amt „Küchenmeister“ und nach ihrem Herrschaftssitz „von Nordenberg“.
Nach dem Zusammenbruch der Staufermacht Mitte des 13. Jahrhunderts bestimmte diese dritte Familie für die folgenden Jahrzehnte wesentlich das Geschehen in und um Rothenburg, letztlich bis zum Verkauf der Burg Nordenberg an die Stadt Rothenburg im Jahre 1383. Die Truchsesse und Küchenmeister leiteten einen Kreis von Ministerialen, die auf der Reichsburg Rothenburg ansässig waren und das entsprechende Wappen, in Silber eine rote Burg, führten. Zu ihnen gehörten die Herren von Bebenburg und von Uffenheim. Da auch in jüngster Zeit immer wieder vermeintliche Erben und Nachkommen der Reichsküchenmeister auftreten (z. B. die Herren von Ellrichshausen, die Herren von Steren als Stifter des Würzburger Bürgerspitals), könnte es nützlich sein, die Zusammenhänge wissenschaftlich zu vertiefen.
Wir bemühen uns um das Redemanuskript und stellen es nach Genehmigung des Referenten hier ein.